Zum Inhalt

News der HSW Freiburg

GEM 2025/2026: Die Schweiz gehört zu den europäischen Spitzenreitern, steht jedoch vor einem strategischen Wendepunkt

09. März 2026

Die HSW Freiburg, einer der Hauptsponsoren des Global Entrepreneurship Monitor (GEM) 2025/2026, stellt die wichtigsten Erkenntnisse für die Schweiz aus dem globalen Bericht From Uncertainty to Opportunity vor. Dies geschieht dank Maya Dougouds, Professorin FH, assoziiert an der HSW-FR (Mitautorin des Berichts, Mitglied des GEM Gera und Teamleiterin von GEM Switzerland).

Vor dem Hintergrund eines internationalen Umfelds, das von geopolitischen Spannungen, wirtschaftlichen Unsicherheiten und Druck auf die Haushaltseinkommen geprägt ist, bestätigt die Schweiz die Solidität ihres unternehmerischen Ökosystems und zeigt zugleich strukturelle Signale auf, die strategische Beachtung verdienen.

Die Schweiz weiterhin in der europäischen Spitzengruppe

Die Schweiz zählt zu den Ländern mit den höchsten Einkommen und gehört in Europa zu den Top 2 beim Zugang zu Unternehmensfinanzierungen. In Sachen Nachhaltigkeit der Unternehmen belegt sie den dritten Rang in Europa. Diese Zahlen bestätigen die Qualität der schweizerischen Rahmenbedingungen: institutionelle Stabilität, ein leistungsfähiges Finanzsystem, Zugang zu Kapital, eine starke Einbeziehung von ESG-Kriterien sowie eine solide akademische Verankerung. Der Bericht zeigt auf, dass nur 16 der 53 untersuchten Länder über ein unternehmerisches Umfeld verfügen, das laut Experten als «ausreichend oder besser» eingestuft wird, gehört die Schweiz zu den Volkswirtschaften mit besonders günstigen Bedingungen. Prägnant ist auch die Performance im Bereich Nachhaltigkeit: Auf internationaler Ebene geben 84 % der Unternehmer an, soziale oder ökologische Aspekte in ihre strategischen Entscheidungen einzubeziehen. Durch eine starke Integrierung klimatischer und gesellschaftlicher Ziele in ihr unternehmerisches Gefüge, hebt sich die Schweiz besonders ab.

Die unternehmerische Dynamik: solide Gründerszene, Fortbestand unter Druck

Der Bericht hebt jedoch eine strukturelle Spannung hervor, die in den meisten Volkswirtschaften zu beobachten ist: Die Anzahl der Unternehmen in der Anfangsphase (TEA) übersteigt deutlich die der etablierten Unternehmen (EBO). Auch die Schweiz bleibt von diesem Trend nicht verschont. Zwar ist die Gründungsdynamik in den Ländern mit hohem Einkommen nach wie vor robust, doch die Kluft zwischen neuen und etablierten Unternehmen lässt Herausforderungen in Bezug auf den Fortbestand, das Wachstum und die Weitergabe erkennen. Die Situation steht vor dem Hintergrund, dass weltweit 32 von 48 Volkswirtschaften im Jahr 2025 mehr Rückgänge als Zuwächse beim Haushaltseinkommen verzeichnen – ein Zeichen, dass selbst die bestentwickelten die Auswirkungen der geopolitischen und wirtschaftlichen Spannungen zu spüren bekommen. Für die Schweiz bedeutet dies konkrete Herausforderungen: Nachfolge der KMU, Konsolidierung von Start-ups, Finanzierung von Wachstumsphasen und schnelle Anpassung an internationale Schocks.

Künstliche Intelligenz: Wettbewerbsvorteil, strategische Wachsamkeit

Der GEM-Bericht 2025/2026 hebt hervor, dass die Nutzung künstlicher Intelligenz weltweit nach wie vor uneinheitlich verläuft. In mehreren europäischen Volkswirtschaften ist weniger als ein Drittel der neuen Unternehmer der Ansicht, dass KI zu einem zentralen Faktor ihrer Geschäftstätigkeit werden wird. Die Schweiz verfügt dank ihrer wissenschaftlichen Exzellenz, ihrer Technologiezentren und ihres Innovationsökosystems über einen komparativen Vorteil. Der Bericht weist jedoch darauf hin, dass der Zugang zu Finanzmitteln für Technologie und spezialisierte Kompetenzen immer noch die grössten internationalen Hindernisse darstellen. Die Frage ist also nicht mehr, ob die KI die Wirtschaft verändern wird, sondern wie schnell KMU sie integrieren können.

Eine gesteigerte internationale Sichtbarkeit

Über das Ergebnis des Berichts wurde viel geschrieben, insbesondere von Forbes, wonach das Unternehmertum in vielen Ländern zu einer direkten Antwort auf die wirtschaftliche Unsicherheit wird. An der Vorstellung des internationalen Berichts in Monterrey, Mexiko, war die Schweiz trotz der angespannten Lage gut vertreten und unterstrich damit ihr kontinuierliches Engagement im globalen Dialog über Innovation und wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit.

Ein strategischer Moment für die Schweiz

Die Daten für 2025/2026 bestätigen, dass die Schweiz nach wie vor zu den leistungsstärksten unternehmerischen Ökosystemen Europas zählt – insbesondere in den Bereichen Finanzierung und Nachhaltigkeit. Sie zeigen allerdings auch, dass selbst eine starke Wirtschaft nicht vor allem geschützt ist: Die Kluft zwischen Innovation und Konsolidierung, der internationale Druck und die Herausforderungen im Zusammenhang mit der digitalen Transformation erfordern eine kohärente strategische Vision. Für die HSW Freiburg sind die Ergebnisse Anlass, gleichzeitig die unternehmerische Ausbildung, die Begleitung bei Unternehmensübergaben, den Zugang zu Wachstumskapital und die verantwortungsvolle Integration künstlicher Intelligenz zu stärken. In einer Welt, in der Unsicherheit zu einem strukturellen Merkmal wird, ist Unternehmertum für die Dynamik kein nebensächlicher Indikator mehr: Es ist ein zentraler Hebel für Wettbewerbsfähigkeit, Nachhaltigkeit und wirtschaftliche Souveränität.