Jungen fehlt der Mut zum Unternehmertum

20 Minuten

​20 Minuten, 16.10.2016

 

Jungen fehlt der Mut zum Unternehmertum

 

 

 

Nur drei Prozent der 18- bis 24-Jährigen können sich vorstellen, eine Firma zu gründen. Grund: Sie wollen ihre Komfortzone nicht verlassen.

 

Die Schweizer Bevölkerung hat eine positive Einstellung zum Unternehmertum. Trotzdem tut sie sich schwer, selbst eine Firma zu gründen. Besonders deutlich zeichnet sich dieser Trend bei den 18- bis 24-Jährigen ab. Gerade einmal 3,1 Prozent der jungen Schweizer ziehen eine Firmengründung als Karriereoption ernsthaft in Betracht.

 

Damit liegt die Schweiz auf dem 18. Platz von insgesamt 22 Ländern. Das zeigt die neuste internationale Studie zu Firmengründungen, der sogenannte Global Entrepreneurship Monitor (GEM). In der Schweiz hat die Hochschule für Wirtschaft (HSW) in Freiburg dafür über 2000 Personen zu ihrer Einstellung zum Unternehmertum befragt.

 

Woran liegt diese Lustlosigkeit der Jungen? «Die Schweizer Jugend scheint nicht bereit zu sein, die Komfortzone einer unselbstständigen Erwerbstätigkeit zu verlassen», sagt Rico Baldegger, Direktor der HSW in Freiburg. Nach der Ausbildung sei die Situation für Junge auf dem Arbeitsmarkt zudem positiv, was die Motivation zur Gründung einer eigenen Firma mindere.

 

 

Unternehmertum als Schulfach

Er sieht aber auch Handlungsbedarf – besonders im Schweizer Bildungswesen: «Unternehmertum sollte schon früher gefördert werden und spätestens im Sekundarschul-Alter fix in den Lehrplan aufgenommen werden», so Baldegger. Nur wenn Kreativität und Gründergeist schon früh unterstützt würden, könne sich Unternehmertum als Berufsoption in der Schweiz durchsetzen.

 

 

Über alle Alterskategorien gesehen, haben zwischen 2013 und 2015 7,3 Prozent der Schweizer ihre eigene Firma gegründet. Damit liegt die Schweizer Gründungsrate leicht über der von Nachbarländern wie Italien oder Deutschland, jedoch deutlich unter Kanada (14,75 Prozent), Australien (12,8 Prozent) und den USA (11,9 Prozent). Die neuen Schweizer Gründer waren vorwiegend männlich und zwischen 35 und 44 Jahre alt. Das bestätige, dass bei der jungen Generation und bei potenziellen Gründerinnen angesetzt werden müsse.

 

Jungen fehlt der Mut zum Unternehmertum

«Die Resultate bezüglich Frauen und Unternehmertum schwanken stark», sagt Baldegger. Sie seien vor allem vom Teilzeit-Arbeitsmarkt abhängig. In den früheren Jahren nahm der Anteil an Gründerinnen beispielsweise zu, weil der Leidensdruck laut Baldegger grösser war. Das heisst: Die Notwendigkeit, ein Unternehmen zu gründen, um überhaupt berufstätig zu sein, war grösser.

 

 

Zu hohe Steuern, zu viel Bürokratie

Auch müsste die Schweiz positive Rahmenbedingungen bei der Besteuerung von Start-ups schaffen. Besonders im Kanton Zürich leiden Jungunternehmen unter der restriktiven Besteuerung.

 

 

Zudem sind die bürokratischen Hürden noch immer sehr hoch. In der Studie zeigt sich, dass über 50 Prozent jener, die den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt haben, ihre Geschäftstätigkeit aufgrund der Bürokratie wieder aufgeben. Immerhin hat die Schweiz mit 1,7 Prozent unter allen Ländern den tiefsten Anteil an Unternehmern, die ihre Tätigkeit in den letzten Monaten wieder aufgegeben haben.

Haute école de gestion | Ch. du Musée 4 | 1700 Fribourg | T : +41 26 429 63 70 | F : +41 26 429 63 75 | heg-fr@hefr.ch | www.heg-fr.ch
© copyright 2014 | design by ASPHALTE-DESIGN